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ROMAN B. BÄR

Nachzucht der selten gehaltenen und in Deutschland jetzt erstmals zur Reproduktion gebrachten Riesenschlangenart
Apodora papuana.

I
m Sommer 1996 hatte ich meine erste Apodora papuana erworben. Das weibliche Tier war 1993 noch als Liasis olivaceus (Ursprungsland Indonesien) importiert worden. Da diese Art bislang als Nachzucht nicht erhältlich war, und nur wenige Wildfänge eingeführt werden, konnte ich erst 1997 ein passendes männliches Gegenstück erwerben. Schließlich gelang es mir 1999 die Tiere erfolgreich zu verpaaren.
In den wenigen vorhandenen Veröffentlichungen wird dieser interessante Pflegling oft sehr negativ dargestellt. Die Tiere zeigen bei mir jedoch nie eine Form von agonistischem Verhalten oder gar Anzeichen von Kannibalismus.
Abb. 1
FOTO 1:
Jede Bewegung wird genau verfolgt;
auffällig ist der gedrungene Kopf mit den stark nach vorn gerichteten Augen.







Des weiteren verfügen die Schlangen über ein lebhaftes, aber sicher nicht über ein unberechenbares Temperament. Bei Annäherung werden zwar Scheinbisse ausgeführt, jedoch erfolgt höchst selten ein echter Abwehrbiss. Während der Handhabung der Tiere beißen meine Exemplare nie.
Abb. 2
FOTO 2:
Nicht immer heben sich die Flanken farblich derart vom Rücken ab;
die Färbung wechselt nach weitgehend unbekannten Faktoren.



Ein falscher Eindruck dieser "Riesenschlange" entsteht oft auch durch die Größenangabe, die sich meist nur auf die Körperlänge bezieht, das Gewicht aber völlig außer Acht lässt. Eine vier Meter lange Schlange dieser Art wiegt etwa zehn Kilogramm. Aufgrund dieser Proportionen erscheinen die Tiere eher "schlank". Dieses Erscheinungsbild wird durch den kurzen und breiten Kopf noch unterstrichen. Apodora papuana zählt sicher nicht zu den "Gattungsriesen", wenn es um den Maximalbereich der zu erreichenden Körpermasse geht. Für solche Titel sind andere, häufig gehaltene Pythonarten prädestiniert
KURZPORTRÄT:

Apodora papuana


Familie: Boidae
Deutscher Name: Papua-Olivpython
Verbreitung: Neuguinea
Sehr beachtlich ist das Farbwechselvermögen der Tiere. Je nach Temperatur, Verdauungsphase und ähnlichen Faktoren, variiert die Grundfarbe der Tiere von bleigrau über dunkeloliv bis hin zu einem hellen Grün, wobei die Flanken sich gegen den Rücken, der meist olivgrün gefärbt bleibt, scharf abgrenzen. Aber auch feine hellere Sprenkeln gehört zum farblichen Repertoire, welches von den Tieren zeitweilig geboten wird.
Abb. 3
FOTO 3:
Obwohl erst wenige Tage alt, zeigen die Neonaten bereits weitgehend die Farbe der Adulten;
auffällig ist die schwarze Iris.


Die Bauchseite ist grau bis olivgrün, wovon sich Kehle und Halsansatz weiß absetzen.
Ungewöhnlich sind ebenfalls die schwarzen Schleimhäute, sowie die schwarze Haut der Schuppenzwischenräume. Bei ausreichender Luftfeuchtigkeit irisieren die Tiere sehr schön von petrolgrün bis weinrot.
Die Neonaten sind dunkelgrau bis grünlich; das Auge ist auffällig schwarz, ebenso die Ränder der Kopfschuppen. Der Kopf wirkt im Gegensatz zum Körper blass rosa bis fleischfarben.
Haltung und Nachzucht von Apodora papuana:

Nachdem ich 1998 die beiden Tiere, anfangs noch unter dauernder Beobachtung, in einem Schrankterrarium mit den Massen 1,6 x 0,8 x 0,8 Meter zusammenführte, kam es spontan zu Kopulationsversuchen von Seiten des männlichen Tieres, die vom Weibchen geduldet wurden. Ein Anheben des Schwanzes oder gar ein Öffnen und Ausstülpen der Kloake konnte allerdings nicht beobachtet werden.
Ich bemerkte, dass das weibliche Tier nach Entfernen des Männchens an Umfang zunahm, ein paar Wochen Futter verweigerte, (was bei Apodora selten der Fall ist, wenn keine Paarungsbereitschaft oder Trächtigkeit vorliegt), und sich überwiegend in rotierter Körperhaltung zeigte.
Diese Symptome klangen aber nach ein paar Wochen wieder ab, ohne dass eine Eiablage erfolgt wäre.
Die Tiere waren mit etwa 2,5 Meter wahrscheinlich noch zu klein, und der Zeitpunkt des Zusammensetzens war wohl ungünstig. Zudem war nicht auszuschließen, dass die Beiden nicht harmonierten.
Um Paarungsversuche zwischen verschiedenen Tieren zu ermöglichen, erwarb ich später noch mehrere adulte Exemplare.
Um den Pfleglingen günstigere Lebensbedingungen zu ermöglichen, realisierte ich begehbare, bis zu 12 Kubikmeter große Anlagen.
Ein den Tieren angenehmes Klima erreichen diese Zimmer hohen Terrarien mittels einer an die Zentralheizung angeschlossenen Fußbodenheizung , sowie einer Berieselungsanlage, welche ansonsten in kleineren Gewächshäuser Verwendung findet. Diese Technik ermöglicht den Tieren zwischen verschiedenen Klimabereichen von tagsüber etwa 70 bis 85% Luftfeuchtigkeit bei Temperaturen von 26 bis 37° C zu wechseln. Ein leichter nächtlicher Temperaturabfall ergibt sich automatisch durch die Steuerung der Hausheizung, sowie durch die fehlende Wärmestrahlung der HQL- bzw. HQI- Lampen.
Abb. 4
FOTO 4:
Die dem Habiat der Tiere annähernd nachempfundene Haltung scheint ihnen zugute zu kommen. Dank Fußbodenheizung und Regenanlage bildet sich ein feucht-heißes Klima.









Wie all meine Anlagen sind diese möglichst natürlich eingerichtet, bieten viele Deckungs- und ausgiebige Bademöglichkeiten. Der beheizte Wasserteil wurde erst regelmäßig aufgesucht, nachdem die Becken mit Kieseln und einer Pumpe versehen worden waren. Ich schließe daraus, daß die Tiere auch in der Natur Fließgewässer zu bevorzugen scheinen.
Anfang Oktober 1999 konnte eine deutliche Umfangsvermehrung bei einem der Weibchen festgestellt werden. In den folgenden beiden Wochen konnten aber keine Anzeichen von Paarungsaktivität beobachtet werden. Gleichzeitig wurde aber von beiden Tieren die Nahrungsaufnahme eingestellt und in der dritten Oktoberwoche erfolgten dann etliche Kopulationen, die diesmal auch von Seiten des Weibchens mit offensichtlicher Bereitschaft vor sich gingen.
Nach dieser Woche erfolgte kein Werben des Männchens mehr und weibliche Tier lag bald nur noch in Rotationshaltung.
Im Dezember bot ich dem trächtigen Weibchen eine geeignete Eiablagebox mit einer Füllung aus Torf und Laub an, da ihre bis dahin gewohnten Schlupfwinkel für mich nur schwer einsehbar und kaum zugänglich waren. Damit das Tier diese Eiablagebox annahm, mussten die bisherigen Ruheplätze mit Stablampen ausgeleuchtet werden. Dieser Trick machte sich schon nach wenigen Tagen bezahlt, und die Box war angenommen.
Ende Dezember nahm das Tier noch einmal Nahrung auf, häutete sich und begann an Neujahr 2000 mit der Eiablage.
Abb. 5
FOTO 5:
Die Versteckmöglichkeiten werden von den scheuen Tieren gerne angenommen.
Es scheint, das diese Spezies einen höheren Anspruch an die Einrichtung stellt.







Da ich vermeiden wollte, daß die Eier in ungünstiger Form zusammenklebten, und da das Tier relativ ruhig blieb, entnahm ich die Eier im gleichen Rhythmus, wie sie abgelegt wurden. Größte Behutsamkeit verstand sich hierbei von selbst. Diese Methode mag zwar unüblich sein, hat aber den Vorteil, daß der animale Pol noch nicht fixiert ist. Somit können die Eier, ohne auf die vorherige Lage achten zu müssen, in den Inkubator überführt werden.
Alle 21 Eier waren blütenweiß und, wie sich später herausstellen sollte, befruchtet. Die Eigröße variierte von 7,5 x 5 cm bis zu 9 x 6 cm. Das größte Ei wog 190 Gramm.
Abb. 6
FOTO 6:
Wenige Tage vor dem Schlüpfen zeigen die Eier transparent wirkende Flecken. Die Jungen aus den unteren Eiern schlüpfen zuerst, da sie näher an der Wärmequelle lagen.

Nach etwa drei Stunden war das komplette Gelege in Vermiculite gebettet und wurde während der gesamten Brutzeit bei ca. 95% Luftfeuchtigkeit und einer Temperatur zwischen 31,5 - 32,5° C bebrütet. Die Eier wurden täglich mit entsprechend temperiertem Wasser besprüht, und der Brutkasten mit einer Aquariumluftpumpe permanent belüftet. Der Ausströmer der Pumpe wurde in einem von unten beheizten Wassergefäß so postiert, dass die zugeführte Luft mit Feuchtigkeit angereichert und im Wasser erwärmt wurde. Kontakt mit Wasser scheint den Eiern nicht zu schaden, gegen Ende der Kunstbrut lagen die unteren Eier für etwa drei Tage unbemerkt, etwa 3 cm tief in völlig durchnäßtem Vermiculite, welches gegen Ende der Brutzeit vollkommen zusammen fiel.
Am 19.03.2000 streckte sich der erste Kopf aus einem der Eier. In der folgenden Nacht gelang es vier weiteren Neonaten, mit Hilfe des Eizahns die Eihülle zu durchstoßen.
Aufgrund der beengten Raumverhältnisse im Brutschrank mussten die Eier teilweise übereinander gelegt werden. So wurde am 20.03.2000 leider in einem der unteren Eier eine Schlange tot aufgefunden. Sie hatte scheinbar schon etwas früher zu schlüpfen versucht, denn das Ei war, zum Verhängnis des Tieres, an mehreren Kontaktstellen zu benachbarten Eiern angeschnitten. Dem Tier war es nicht gelungen, sich aus der Eihülle zu befreien. Es war abgestorben, die Blutgefäße der Eihäute waren völlig atrophiert.
Um dieses Risiko zu minimieren, entschied ich, alle weiteren Eier mit größter Vorsicht anzuschneiden. In einem der Eier entdeckte ich ein echtes Zwillingspaar, das sich aus einem gemeinsamen Dotter entwickelt hatte. Diese Tiere waren bereits vollständig pigmentiert, zeigten Reaktion auf Außenreize, waren aber deutlich kleiner und begannen nicht zu atmen.
Sechs Neonaten verließen noch am gleichen Tag die Eihülle. Sie hatten in wenigen Stunden nach dem Öffnen alle Blutgefäße atrophiert und den restlichen Dotter in den Körper aufgenommen. Die Jungen hatten beim Schlüpfen eine Länge von 65 cm und waren im Durchmesser etwa 1,3 cm stark. Ich ermittelte ein Gewicht von 75 g.
Abb. 7
FOTO 7:
Wenngleich das Tier bereits atmet, muß es noch weitere ein bis zwei Tage im Ei bleiben, um die deutlich sichtbaren Blutgefäße zu atrophieren.




Am Morgen des folgenden Tages wurden sieben weitere Schlüpflinge, deren Abnabeln vom Ei abgeschlossen war, aus den mittlerweile blutleeren Eihäuten entnommen, im warmen Wasserbad vom gröbsten Eiweiß befreit und anschließend, bis zum völligen Verschwinden des Dottersackstiels, in eine Box mit feuchtem Fließ überführt.
Abb. 8
FOTO 8:
Eine mehrtägige Haltung auf feuchtem Fließpapier sollte bis zum Verheilen des hier noch deutlich sichtbaren Dottersackstiels keinesfalls unterbleiben.




Abb. 9
FOTO 9:
Farbig abgesetzt wirkt der helle Kopf der Neonaten, der mit großen Schuppen bedeckt ist, welche schwarz umrandet sind.



Die 24 Stunden alten Neonaten reagierten deutlich lebhafter und der "Nabel" war weitgehend atrophiert. Die Tiere züngelten aufmerksam, zeigten aber, zu meinem Erstaunen, das den meisten Pythonarten angeborene Abwehrverhalten eines Beißreflexes kaum. Im Verlauf des nächsten Tages schlüpften die restlichen Jungtiere. Bei keinem der jungen Pythons konnte Missbildungen oder sonstige sichtbare Abweichungen festgestellt werden. Daraufhin wurden die Jungschlangen einzeln in Aufzuchtterrarien überführt, die mit sehr feuchtem Rindensubstrat gefüllt waren. Ab diesem Zeitpunkt werden die Tiere auf den nächsten Entwicklungsschritt, der aus der Primärhäutung besteht, vorbereitet. Dazu werden sie unter ähnlichen klimatischen Bedingungen untergebracht wie sie zur Brutzeit galten und oben bereits beschrieben sind. Als erste Nahrung nach der Häutung werden wahrscheinlich Springer akzeptiert. Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit kleinen Wildfängen dieser Art, gehen die Jungtiere problemlos an das angebotene Futter, und entwickeln sich besonders in der juvenilen Phase recht schnell. Später werden als Nahrung alle gängigen Nagetiere bis zu Kaninchengröße und Junggeflügel angenommen. Hierbei werden auch tote und in der Haltungsanlage ausgelegte Beutetiere stets geschickt aufgespürt und bereitwillig gefressen. In Einzelfällen verschmähten die Tiere selbst Hühnereier sowie eine fast ebenso große tote Morelia amethistina amethistina nicht. Die Tiere scheinen gut eingewöhnt einen ständigen Appetit zu entwickeln, und verweigern sehr selten ein angebotenes entsprechendes Futter.
Danksagung

Mein besonderer Dank gebührt meiner Mutter, ohne deren Toleranz eine Reptilienhaltung im häuslichen Keller in diesem Umfang nicht denkbar wäre. Ich bedanke mich herzlich bei Dipl.-Biol. Simone H. Gerten für die kritische Durchsicht des Manuskripts und für hilfreiche Anmerkungen.
Literatur

Autor:

Roman B. Bär
Kyllbergstraße 1
D-66346 Püttlingen