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Roman Bär
Neuere Erkenntnisse zur Nomenklatur des Amethystpythons(Morelia amethistina (SCHNEIDER, 1801)) und des Seram-Pythons (Morelia clastolepis (HARVEY et al. 2000)) sowie erstmalige Vorstellung einer weiteren Inselpopulation innerhalb des Moreliaamethistina- Komplexes von der Aru-Inselgruppe

I
ch beschäftige mich seit über zehn Jahren mit dem interessanten und sehr variablen Morelia-amethistina-Komplex und habe Erfahrungen mit der Pflege fast aller Arten dieser Gruppe. Ich weiß, wie anspruchsvoll, schwierig und auch nicht immer ganz ungefährlich Haltung und Reproduktion dieser Riesenschlangen sind. Daher möchte ich es zunächst nicht versäumen, meinem Vereins- und Interessenskollegen RAFFAEL STOCK zu seinem hervorragenden Zuchterfolg zu gratulieren. Ich finde es jedoch auch wichtig, die längst fällig gewesenen nomenklatorischen Änderungen auch in einen Pflege- und Zuchtbericht aufzunehmen. Daher möchte ich den interessierten Lesern und etwaigen Haltern einen ergänzenden Nachtrag bieten.


    Ich weise darauf hin, dass es sich bei den Schlangen im genannten Artikel um Seram-Pythons, also Morelia clastolepis, und nicht um Morelia amethistina amethistina handelt. Das Verbreitungsgebiet von M. clastolepis beschränkt sich nachweislich derzeit nur auf die Inseln Seram und Ambon. Als wahrscheinlich gelten aber auch Vorkommen auf Haruku und Saparua.

Nomenklatur
    Im Jahr 2000 wurden von HARVEY et al. (2000) vier Spezies neu abgegrenzt, die nahe mit der ursprünglich als Liasis amethystinus (später Morelia amethistina) beschriebenen Art verwandt sind. Der mittlerweile eigenständigen Art Morelia kinghorni (Kinghorns Python) war schon früh als Liasis a. kinghorni vorübergehend Unterartstatus eingeräumt worden, der dann 1994 von BARKER & BARKER als Morelia a. kinghorni bestätigt wurde. Die Art lebt in Cape York, Queensland, Australien und auf Inseln der Torres-Straße. Ferner wurden die von Herrn STOCK gezüchtete Art Morelia clastolepis (Seram-Python) sowie der Tanimbar-Python (Morelia nauta) von den Tanimbar-Inseln und schließlich der Halmahera-Python (Morelia tracyae) von den nordwestlichen Ausläufern der Insel Halmahera als neue Arten beschrieben (HARVEY et al. 2000). Die vormals als Nominatform geführte Morelia amethistina amethistina heißt nun Morelia
amethistina , besitzt jedoch ein weitaus stärker eingeschränktes Verbreitungsgebiet. Zur besseren Unterscheidung der beiden verwechselten Arten seien im folgenden Abschnitt die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale aufgeführt:

Neuguinea-Form von Morelia amethistina
    Diese Tiere werden oft als „Barnek“ bezeichnet. Sie haben eine gelbe Grundfärbung mit leicht grünlichem Einschlag. Des Weiteren besitzen alle Tiere zwei Nackenbänder, selbst solche Exemplare, die ansonsten fast zeichnungslos sind. Die großen Kopfschuppen (Parietalia) sind doppelt paarweise angeordnet und in der Regel schwarz umrandet. Ebenso finden sich schwarze Umrandungen der Lippenschilde.
    Darüber hinaus zeigen viele Exemplare eine deutliche schwarze Querbänderung, die zu den Seiten ausläuft und sich auf die vordere Körperhälfte beschränkt. Die hintere Hälfte des Körpers ist dagegen nur noch angedeutet gebändert und wirkt durch die schwarz umrandeten Schuppen netzartig. Diese Schwarzanteile am Rumpf können aber stark reduziert sein oder sogar vollständig fehlen. Die Bauchseite ist meist gelb-beige mit leichten Sprenkeln zwischen den Bauchschilden.
    Die Schlangen erreichen eine Gesamtlänge von 5,5 m, maximal angeblich bis 8 m. Die Köpfe der Tiere bleiben bis zu einer Länge von etwa 3,5 m
Abb. 1. Amethystpython (Morelia amethistina)
aus dem Tiefland West-Papuas
Abb. 2. Seram-Python (Morelia
clastolepis); Männchen mit einer
Gesamtlänge von über vier Metern
Abb. 3. Aru-Amethystpython (Morelia cf. amethistina); bislang unbeschriebene Variante von der Insel Aru
relativ schlank und flach. Ab dieser Größe beginnt sich die Kopfform deutlich zu verändern, und die Kiefermuskulatur wölbt sich sichtbar hervor. Der Kopf wird dadurch kantiger, und das große Frontalschild erscheint mit der Zeit bei sehr alten und entsprechend großen Exemplaren regelrecht eingezogen. Die Zunge ist schwarz-rot, die Maulschleimhaut blass rosa. Seram-Python (Morelia clastolepis)
    Diese Tiere werden oft als „gelbe Mollukkenphase“ bezeichnet. Die Grundfarbe der Schlangen ist anfangs ein kräftiges Senfgelb. Eine Zeichnung ist hier immer nur angedeutet und niemals kontrastreich oder gar in Form einer schwarzen Bänderung angelegt. Eine Zeichnung tritt erst auf dem hinteren Drittel auf und wirkt eher gefleckt oder bildet in



Ausnahmen etwas hellere Ozellen. Der Kopf ist dagegen zeichnungslos, und an den Lippenschilden (Labialia) zeigen sich hellere Farbtöne. Kehle und Bauch sind gleichfalls zeichnungslos cremfarben bis weiß. Mit zunehmendem Alter dunkeln die Schlangen jedoch immer stärker nach, bis sie fast schwarz sind.
    Im Vergleich zu Morelia amethistina wirkt das Auge kleiner, die Parietalia sind selten so symmetrisch aufgebaut, und die Zunge ist – wie auch die Maulschleimhaut – bläulich bis violett gefärbt. Ferner sind die Praefrontalschilde in zwei Paaren ausgebildet. Außerdem zeigt sich die bei M. amethistina erwähnte Umgestaltung des Schädels bei dieser Art schon sehr viel früher, nämlich mit einer Länge von 2,5 m. Ab diesem Zeitpunkt verlangsamt sich das Wachstum der Tiere deutlich. Doch auch diese Form wird durchaus über 4 m lang.

Morelia cf. amethistina (Aru- Amethystpython) Auf den Aru-Inseln gibt es eine meines Wissens wissenschaftlich nicht beschriebene Form, die bislang noch zu Morelia amethistina gezählt wird. Sie erinnert auf den ersten Blick an die Pythons von Tanimbar (Morelia nauta). Sie werden aber deutlich größer und sind in ihrer Grundfarbe eher grünlich orange bis weinrot. Auf dem gesamten Körper sind gelbe bis orange Flecken gleichmäßig verteilt und erinnern so in ihrer Anordnung ein wenig an die Zeichnungselemente von Morelia
spilota spilota. Lediglich der Kopf ist orange bis ocker gefärbt. Die Schlangen irisieren besonders stark und leuchten bei günstigem Lichteinfall in einem kräftigen Blaurot. Eine Kopfmaske ist vorhanden, jedoch nicht so deutlich wie bei der Tieflandform von Morelia amethistina aus West-Papua. Die Ventralseite ist gelb-orange gefärbt. Es gibt auch Exemplare, die an den Seiten deutlich orange getönt sind. Die Tiere wirken sehr schlank, und der Schwanz ist sehr lang. Über die Maximalgröße ist mir nichts bekannt.

Schriften
BARKER, D. G. & T. M. BARKER (1994): Pythons of
    the world, volume I, Australia. – California (The
    Herpetocultural Library), S. 37-161.
HARVEY, M. B., D. G. BARKER, L. K. AMMERMAN, P.
    T. CHIPPENDALE (2000): Systematics of pythons
    of the Morelia amethistina complex (Serpentes;
    Boidae) with the description of three new spe-
    cies.– Herp. Mono., 14: 139-185.
STOCK, R. (2004): Pflege und Zucht des gelben
    Amethystpythons Morelia amethistina amethistina
    (SCHNEIDER, 1801). – elaphe N. F., 4: 34-38.

Autor
    ROMAN BÄR
    Kyllbergstrasse 1
    D-66346 Püttlingen
    Internet: www.romanbaer.de